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Silvia Sedelmayr engagiert sich unter anderem ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe.      WZ-Foto:    Gabriel-Jürgens
Silvia Sedelmayr engagiert sich unter anderem ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. WZ-Foto: Gabriel-Jürgens

11.10.19

Die Reaktion des Vaters war am schlimmsten

Zum internationalen Coming-Out-Tag erzählt Silvia Sedelmayr, wie sie ihr eigenes erlebt hat. Was sie Menschen rät, denen das Ereignis noch bevorsteht:

 

Von Juliane Minow

Wilhelmshaven - Es war wie ein Schlag ins Gesicht: „Was habe ich falsch gemacht?“ Das fragte Silvia Sedelmayrs Vater, als seine Tochter ihm eröffnete, was sie schon Jahre zuvor herausgefunden hatte; als sie sich ein Herz gefasst und endlich ihre Lebensgefährtin mit nach Hause genommen hatte.

„Das war die erschütterndste Reaktion“, erinnert sich die 60-Jährige heute. Es sollte aber nicht die einzige bleiben. Negatives Feedback habe es immer wieder gegeben, vor allem auf der Straße. „Wenn ich mit meiner Partnerin öffentlich Hand in Hand unterwegs war, konnte ich schon damit rechnen, dass ich pro Tag mindestens einen dummen Spruch oder blöde Blicke bekomme.“ Und damit ist sie nicht allein: Wie eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung ergab, hat sich die Zahl der Straftaten gegen Lesben, Schwule, bi-, inter- und transsexuelle Menschen seit 2013 bundesweit verdoppelt.

Silvia Sedelmayr liebt Frauen. Mit Anfang 20 hat sie das zum ersten Mal jemandem anvertraut. Zum heutigen internationalen Coming-Out-Tag erzählte sie im Gespräch mit der „Wilhelmshavener Zeitung“ ihre Geschichte.

Angefangen hat alles mit der Englischlehrerin. Als sie 12 oder 13 Jahre alt war, „mitten in der Pubertät“, da hat Silvia Sedelmayr sich unsterblich in ihre Lehrerin verliebt. „Hals über Kopf, ich wusste gar nicht, wie mir geschah.“ Damals hat sie aber noch mit niemandem darüber gesprochen. „Es hat mich sehr beschäftigt und belastet“, erinnert sie sich. „Es war gerade sowieso eine schwierige Phase und dadurch ist meine Orientierung komplett verloren gegangen.“

Weil sie aus einer konservativen Arbeiterfamilie kommt, kannte Silvia Sedelmayr nur traditionelle Familien, hat gedacht, mit ihr stimmt etwas nicht. Vielleicht deshalb hatte sie zunächst zwei Beziehungen mit Jungs, die für sie aber nicht das brachten, was sie wollte. Allmählich stellte die heute 60-Jährige fest: „Männer sind ganz nett, ist auch ganz interessant mit den Jungs, aber meine Ideen waren im Kopf andere.“

[...]

Übrigens: Für Leute, die festgestellt haben, dass sie lesbisch, schwul oder bi sind, das aber noch niemandem erzählt haben, hat die gebürtige Siegenerin folgenden Tipp: „Ich denke, es ist wichtig, sich erstmal eine Vertrauensperson zu suchen.“ Was sie Leuten, die mit dem Thema zu tun haben, sonst sagen möchte? „Wenn Menschen das Bedürfnis haben, sich auszutauschen, dürfen sie sich gerne an die Queerströmung wenden.“

Informationsangebote im Netz: www.regenbogenportal.de, www.queerstroemung.de, www.aidshilfe-beratung.de

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der „Wilhelmshavener Zeitung“ von Freitag, 11. Oktober 2019. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.

 

 



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