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Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, denn auch die nicht-trinkenden Angehörigen sind betroffen.    DPA-Foto:    Alexander Heinl
Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, denn auch die nicht-trinkenden Angehörigen sind betroffen. DPA-Foto: Alexander Heinl

13.06.19

Mama säuft - und alle leiden mit: Wenn Familienmitglieder alkoholabhängig werden

Ist ein Familienmitglied alkoholabhängig, macht das auch die anderen krank. Martin und Anne kennen das, haben lange mit Alkoholikern gelebt. Sie wissen, dass es wichtig ist, darüber zu reden.

 

Von Kristin Hilbinger
Wilhelmshaven - Dieser eine Schritt vor den Bus. Dann ist endlich Ruhe. Dann hört diese ewige Anstrengung auf. Gedanken wie diese plagten Martin lange Zeit. Blitzgedanken nennt er sie. Nur kurz kommen sie hoch. Dann verschwinden sie wieder. „Ich fand mein Leben immer ungeheuer anstrengend“, sagt der 36-Jährige.

Immer musste alles perfekt laufen. Fiel beim Kochen einmal ein Suppenlöffel herunter, war der Tag gelaufen. „Wenn du nicht einmal das richtig hinkriegst, bis du wohl zu nichts zu gebrauchen“, beschreibt Martin seine Gedanken. Fuhr seine Frau einen anderen Weg zum Einkaufen als den, den er als den kürzesten ausgemacht hatte, flippte er aus. „Solche Kleinigkeiten haben schon gereicht.“

Martin war klar, dass er Hilfe brauchte. Er wandte sich an eine Ärztin. Ihr erzählte er von seinen „Blitzgedanken“. Und davon, dass er das ganze Leben als eine einzige Anstrengung empfindet. „Ich habe eine Viertelstunde ununterbrochen geredet und geheult“, beschreibt Martin die Situation. Es kam alles raus. Warum konnte er sich nicht einfach zusammenreißen, habe er damals gedacht. Andere kriegen es doch auch hin.

Die Ärztin ließ ihn erzählen - und hörte zu. „Sie hat gesagt: ,Das hat nichts mit Zusammenreißen zu tun!?“, erzählt Martin. Er bekommt noch heute eine Gänsehaut, als er an diesen Moment denkt. Er war für ihn wie eine Erlösung.

Inzwischen weiß Martin, warum er so ist, wie er ist. „Mama säuft“, sagt er. Schon so lange er denken kann.

Er vertraute sich nach seinem Arztbesuch einem befreundeten Paar an. Wenig später wandte sich die Freundin per WhatsApp an ihn. „Vielleicht sind wir solche Kontrollfreaks, weil unsere Eltern Alkoholiker sind“, schrieb sie. Sie hatte ein Buch gelesen, „das ihr die Schuhe ausgezogen hatte“. Sie habe sich selbst darin erkannt. Als erwachsenes Kind eines Alkoholikers. („Familienkrankheit Alkoholismus. Im Sog der Abhängigkeit“ von Ursula Lambrou).

Martin ist seit seinem Arztbesuch in Therapie. Und es geht ihm schon besser. Das liege allerdings auch daran, dass er seit etwa zwei Jahren zu den Treffen der Selbsthilfegruppe „Al-Anon“ geht. „Al Anon“ steht für „Alcoholic Anonymous“ und ist eine Gruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern. „Dort habe ich das erste Mal gemerkt, dass ich nicht alleine bin. Es gibt viele andere erwachsene Kinder, die betroffen sind“, sagt Martin.

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der "Wilhelmshavener Zeitung" von Donnerstag, 13. Juni 2019. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.

 

 



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