Seitenanfang
Anzeige
Rechtes Bein nach hinten, Arme entgegengesetzt einsetzen: Carpoeira-Trainer Makonnen Smid (in gelb) aus Oldenburg macht es vor.      WZ-FOTO:    Knothe
Rechtes Bein nach hinten, Arme entgegengesetzt einsetzen: Carpoeira-Trainer Makonnen Smid (in gelb) aus Oldenburg macht es vor. WZ-FOTO: Knothe

9.08.12

Kampfsport: Mit Tanz den Sklavenhalter austricksen

Kurs im "Nordseecamp" bietet Einblick in Kampftanz Carpoeira

 

Wilhelmshaven/JB - Gelenkigkeit ist eine Grundvoraussetzung, um Carpoeira zu betreiben - das wird an diesem Morgen in der Sporthalle im Studio der Selbstverteidigung (SDS) überdeutlich. Carpoeira-Trainer Makonnen Smid gibt zu der Musik von brasilianischen Samba-Variationen einen Schnellkurs zu der Mischform aus Kampf und Tanz.

Dabei kämpfen zwei Carpoeras in einem Kreis („Roda“) von Zuschauern, die während des Kampfes Musik produzieren oder abspielen. Das rechte Bein streckt Smid nach hinten, das linke nach vorne, die Arme werden entgegengesetzt bewegt. Die 30 Schüler, die zuvor den Raum mit einer angedeuteten Verbeugung betreten haben, stehen im Kreis und probieren die gezeigten Schritte direkt aus.

Der Oldenburger ist im Rahmen des 5. „Nordseecamps“ zu Gast in der Jadestadt. Organisiert wird das Camp von der Budo-Akademie-Europa (BAE), Ausrichter ist das SDS, das der BAE angehört. Noch bis Freitag können die rund 100 Teilnehmer an den Trainingseinheiten Neues ausprobieren. Morgens finden zum Aufwärmen Yoga- oder Pilates-Kurse statt. „Die meisten kommen aber erst gegen 11 Uhr, abends haben wir schließlich auch ein Nebenprogramm“, verrät Barbara Litza vom SDS. Auch SDS-Leiter Claude Weiland gibt Einführungen, etwa zum Thema Bruchtest, also dem Zerschlagen von massiven Gegenständen. „Das haben viele zum ersten Mal überhaupt gemacht“, sagt Litza.

Alle zwei Jahre findet das Camp in Wilhelmshaven statt, in dem Jahr dazwischen im Ausland - etwa im kommenden Sommer auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida“. Aber auch in Wilhelmshaven nutzen viele Teilnehmer das Trainingscamp zu einem Kurzurlaub.

Sinn der Sache: In andere Kampfsportarten hineinschnuppern, Neues kennenlernen. „Capoeira unterscheidet sich in einigen Punkten grundlegend von den asiatischen Kampfsportarten“, erklärt Barbara Litza. „Die ganze Kultur ist einfach eine andere, die meiste Kampfkunst aus Asien ist insgesamt strenger und traditioneller ausgerichtet.“ Dazu gehöre das lockere Auftreten ohne Verbeugung und Vorbereitungsrituale, das Kämpfen zu Musik und das Verpacken des eigentlichen Kampfes in den Tanz. Das hat einen Grund: Carpoeira wurde in Brasilien von aus Afrika verschleppten Sklaven entwickelt, wovon die Sklavenhalter natürlich so wenig wie möglich mitkriegen sollten. Ganz anders sah es auf der anderen Seite des Pazifik aus: „Karate wurde teilweise vielleicht heimlich geübt, aber im Gegensatz zu Carpoeira nie verschlüsselt,“ so Litza.

Das Nordseecamp geht noch bis Freitag.

Mehr lesen Sie heute in der „Wilhelmshavener Zeitung“.

 



Anzeige
ˆ Seitenanfang
IMPRESSUM | KONTAKT | DATENSCHUTZ | © Brune-Mettcker Druck- und Verlags GmbH