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Foto: picture alliance/Tobias Kleinschmidt/dpa
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13.08.19

Umerziehung und ihre Folgen: Links war das "schmutzige Händchen"

WZ-Leserinnen, die in ihrer Kindheit zu Rechtshändern umerzogen wurden, berichten von schweren Folgen.

 

Friesland/Wilhelmshaven/ld - Die linke Hand galt als das „schmutzige Händchen“. Das kennt auch noch Tanja Eisensee. Die Linkshänderin wurde in Nordrhein-Westfalen geboren und 1985 eingeschult. Die ersten zwei, drei Jahre in der Grundschule stellten kein Problem dar. Doch dann kam die Angestellte bei einer Hausverwaltung auf eine andere Grundschule, eine katholische im Emsland.

Kinder, die versuchten, mit links zu schreiben oder zu malen, wurden umerzogen. „Dann gab's eins auf die Finger und die Hand musste auf den Rücken“, sagt Eisensee, die mittlerweile in Cäciliengroden lebt. Bei dem Mädchen artete es damals aus. Schön schreiben wurde an ihrer Schule noch bewertet und ihr fiel es schwer. Die Folge der Umerziehung: starke, fast schon migräneartige Kopfschmerzen, Brechanfälle. „Ich bin richtig krank geworden.“

Die Eltern wussten nichts von der versuchten Umerziehung. Schließlich erzählt sie bei einem Besuch beim Kinderarzt, dass die Beschwerden immer dann kämen, wenn sie mit der anderen Hand schreiben müsse. Als das rauskam, waren ihre Eltern außer sich, sie fuhren zur Schule und bestanden darauf, dass ihre Tochter mit der linken Hand schreibe. Danach hat dort niemand mehr versucht, Tanja Eisensee umzuerziehen. Eisensee bezeichnet sich selbst als extreme Linkshänderin, sie kann kaum etwas mit rechts machen. Danach wurden die Beschwerden sofort besser, die Kopfschmerzen hörten auf, sie nahm ihre Bücher wieder in die Hand, begann wieder zu malen und auch ihre schulischen Leistungen verbesserten sich. Eisensee ist sich sicher: „wenn meine Eltern nicht eingeschritten wären, hätte ich kritische Schäden behalten.“

Auch ihre Arbeitskollegin Gudrun Kyas ist eine umerzogene Linkshänderin. Sie wurde 1957 geboren und in der Schule gab es dann schon mal was auf die Finger, wenn sie mit der „falschen“ Hand geschrieben hat. Ihre Zwillingsschwester, die Rechtshänderin ist, saß aber vor ihr in der Reihe, so dass Gudrun Kyas bei ihr immer guckte. Anders als Tanja Eisensee hat sie nicht solche Probleme damit gehabt. „Ich kann mich auch an keine Folgen erinnern“, erzählt sie heute der WZ. Tatsächlich kann sie sogar mit beiden Händen gleichzeitig schreiben - mit rechts normal und mit links spiegelverkehrt. Doch so Sachen wie der Ausguss bei der Schöpfkelle stören sie schon. Beim Fußball spielen mit ihren Enkeln sieht sie ihre Händigkeit als Vorteil. „Sie erwarten nicht, dass ich mit links schieße“, sagt die Wilhelmshavenerin, die ursprünglich aus der Nähe von Frankfurt kommt.

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der "Wilhelmshavener Zeitung" von Dienstag, 13. August 2019. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.

 

 



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