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Die Fregatte „Hamburg“ während eines Seeversorgungsmanövers mit dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ auf dem Weg zum Manöver „Northern Coasts 2018“. Foto: Kröncke

9.11.18

"Wir schützen etwas, was man nicht sieht"

Die Fregatte "Hamburg" war bis gestern Flaggschiff eines Verbandes der multinationalen Übung "Northern Coasts". Kapitän zur See Sven Beck, Kommandeur des Verbandes, und der Kommandant der "Hamburg", beantworten Fragen der WZ.

Von Michael Halama

WZ: Herr Beck, wo findet die Übung „Northern Coasts 2018“ statt - und welche Bedeutung hat das Seegebiet dort?

Sven Beck: Northern Coasts 2018 - wir kürzen es NOCO ab - findet statt, wo der Blick auf die Ostsee ein anderer ist als zu Hause. Vor den Eingängen des Finnischen und Bottnischen Meerbusens.

Da, wo man über den Seeweg in den hohen Norden Finnlands und Schwedens gelangt oder nach Estland. Der Fläche nach mag die Ostsee klein sein - aber sie ist von großer Bedeutung für uns und unsere Partner in EU und Nato. Denn die Seewege an den Belten, am Öresund und am Nord-Ostsee-Kanal bedeuten einen Zugang zu dem Binnenmeer. Die Zugänge sind Lebensadern, die Bevölkerung hängt vom Seetransport ab. Dieses Randmeer ist deshalb eine nasse Flanke, von strategischer Bedeutung. Das sieht man deutlich, wenn in Turku zu Anfang der Übung mehr als 30 Schiffe entlang des Aurajoki-Flusses liegen. Da wehen die Dienstflaggen von neun Nationen am Heck der Schiffe. Es fühlt sich gut an, das zu sehen.

WZ: Parallel läuft in Norwegen das große Nato-Manöver „Trident Juncture?. Gibt es in der Praxis Berührungspunkte zwischen beiden Übungen?

Beck: Das Drehbuch des Nato-Manövers und das Szenario von NOCO hängen zusammen. Einfach gesagt: Der Weg durch den Bottnischen Meerbusen führt in die nordöstliche Ostsee, weit hoch nach Finnland und Schweden. Vom Meer kommend, über Land durch Schweden hindurch, erreicht man die Truppen und die Bevölkerung in Norwegen. Freie Seewege bei NOCO sind eine Unterstützung für die Übung in Norwegen.
In der Praxis aber ist NOCO autark. Eine Allianz beansprucht das Seegebiet, verwehrt Handelsschiffen die Einfahrt, legt Minen, fremde Schnellboote bedrängen unsere Schiffe. Keiner kommt mehr durch, der Handel steht still. Stellen Sie sich vor, Tankstellen und Supermärkte blieben geschlossen. Deshalb gehen wir auf Gefechtsstation, patrouillieren, schicken Boarding-Teams los, suchen nach Ubooten, stehen Wache. Die klassischen Aufgaben einer Marine stehen hier im Vordergrund. Wir schützen was, was man nicht sieht: Seeverbindungswege.

 

 



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